Wiedereinstieg in den Beruf

von | 12. Mai 2018 | EPU - Arbeit neu denken, Mein Denkmal

Neues Berufsbild: „Die digitale und soziale Nachlass-Verwalterin“

Alte Berufsbilder geraten in Vergessenheit

Ich habe für Euch mal geschmökert, welche Berufen Frauen im Handwerk früher nachgegangen sind. Da gibt es die Lavendelverkäuferin, die Wäscherin, die Änderungsschneiderin, die Weißnäherin, die Hutmacherin. Die Weißnäherin z.B. nähte die Aussteuer wie Bettwäsche, Handtücher, Tischdecken usw. Da die Aussteuer meist aus weißen Stoffen bestand, wurde sie auch allgemein als Weißnäherin bezeichnet.

Besonders spannend fand ich Berufsbilder, wo Frauen federführend das neue Zeitalter der Kommunikation und Digitalisierung einläutenden. So waren es Frauen, die seit 1890 Telefongespräche vermittelten. Nach dem Ausbruch des Krieges wurden verstärkt Frauen an die Rohrpostschalter gestellt. Die Rohrpost war die erste Form, Nachrichten in einem Röhrensystem zu versenden. Mittels Druck- und Saugluft wurden Dokumente und Gegenstände in zylindrischen Kapseln befördert – deutlich schneller als per Postbote. Das kommt unseren Bits- und Bites, die auf digitalen Datenwegen versendet werden, schon sehr nahe. Aber auch schon bei der Erfindung der Computer waren Frauen wesentlich beteiligt. Ada Lovelace, eine britische Mathematikerin, veröffentlichte als erste ein komplexes Programm für einen mechanischen Computer. Die Digitalisierung war damit eingeläutet und viele neue Berufsbilder waren notwendig, um die Fülle an Informationen zu verarbeiten.

Altes Wissen geht verloren

Altes Wissen geht verloren: Altes Wissen, dass in alten Kommoden, in alten Schränken, in alten Truhen auf Dachböden lagert. Alte Briefe, alte Kochrezepte, alte Hausmitteln, alte Fotos und alte Tagebücher. Oft von den Erben vergessen. Und bald für unsere digitale Welt nicht mehr verfügbar. Unsere Kinder sind gerade in der Ausbildung und in der Familiengründung. Sie haben andere Lebensprioritäten und ein Interesse an dem alten Wissen und den Geschichten ihrer Familie gehört in den seltensten Fällen zu ihrem jetzigen Fokus. Das kommt erst später. Und dann werden das Wissen und diese Geschichten nicht mehr gefunden. Auch ich hatte andere Interessen. Langsam nehme ich mit 50 plus Kontakt in die reiche und weise Welt meiner Ahnen auf. Siehe dazu meinen Blogbeitrag „Soziale Nachlässe“.

Und mir ist dabei einiges klar geworden. Die Frauen der Generation 50 plus sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Alt und Jung. Das Bewahren von neuem Wissen und das Überführen in ein neues Zeitalter der Digitalisierung wird ihre wichtigste Aufgabe sein. Die Generation 50 plus ist somit eine Übersetzerin von altem Wissen und das Bereitstellen von alter Information für die neue Generation. Ein neues Berufsbild ist am Entstehen. In Amerika gehört es schon längst zum Alltag. In Europa wird es nicht mehr lange dauern, um das neue Berufsbild salonfähig zu machen. Da fällt mir sofort unser Eulen-Nest und die Großmüttersalons ein.

Neue Berufsbilder entstehen

Aber wie können wir das alte Wissen und die alten Geschichten unseren Kindern und Kindeskindern noch zur Verfügung stellen? Wie kann auch zukünftig das Wissen und die Geschichten gesichert werden? Wie kann altes Wissen und alte Geschichten mit neuem Wissen zusammengeführt werden?

Es wäre doch schön, wenn es einen Platz geben würde, wo jede Generation ihre Geschichten und ihr Wissen abspeichern könnten. Eine immer weiterwachsende Sammlung an altem Wissen und alten Geschichten. Die digitale Plattform „Mut.Macht.Sinn“  bietet erstmalig einen geschützten Raum für dieses alte Wissen an. Wir nennen es Denkmäler oder soziale Nachlässe. In unseren Denkmälern wird vergänglichen Wissen digitalisiert archiviert und sicher aufbewahrt. Wir können natürlich alles selbst machen. Bilder und Tagebücher scannen. Oder wir vertrauen auf einen Menschen, der uns dabei hilft. Dazu lassen wir ein neues Berufsbild wachsen und gedeihen: „Die digitale und soziale Nachlass-Verwalterin“

Berufsbild „Die digitale und soziale Nachlass-Verwalterin“ – Perspektiven und Aufgaben

Entsteht ein neues Berufsbild, so haben diese Menschen die Möglichkeit, das Berufsbild zu gestalten und mit Leben zu erfüllen. Für mich könnte das neue Berufsbild folgende Perspektiven und Aufgaben haben:

  1. Nicht nur der Nachlass von Verstorbenen soll aufgearbeitet werden, auch das Datenmaterial zu Lebezeiten soll aufgearbeitet werden.
  2. Eine hohe soziale Kompetenz wird wichtig sein, um mit älteren Personen in Kontakt treten zu können, um Vertrauen aufzubauen. Die Fähigkeit des Zuhörens und des gleichzeitigen Dokumentierens wird genauso wichtig sein, wie das Führen von guten Gesprächen und das Stellen von den richtigen Fragen.
  3. Das Datenmaterial muss digitalisiert werden. Geräte wie Computer, Scanner, Audio-CD Aufnahmegeräte, digitale Fotoapparate werden ein wichtiger Begleiter bei der Arbeit sein.
  4. In den nächsten Jahren wird der digitale und soziale Nachlassverwalter noch zusätzliche Aufgaben bekommen, da die Digitalisierung immer weiter fortschreitet. Verwalten von Passwörtern, Auffinden von Online-Konten Verstorbener bis hin zum Knacken und Analysieren der Hardware wie PC, Laptop oder Smartphone, um an Daten und Wissen zu kommen, wird unumgänglich ein.
  5. Schulungen von jungen Leuten, wie sie Wissen für die nächste Generation sichern. Umgang mit Datenspeichern und Passwörtern uvm.

Das neue Berufsbild der digitalen und sozialen Nachlass-Verwalterin ist schon jetzt in Amerika im Entstehen. Auch gibt es schon ein paar Versicherungen, Bestattungsunternehmen, die Experten beauftragen, digitale und soziale Nachlässe auf Kundenwunsch zu verwalten. Die eine oder andere Organisation in Europa bietet schon ein paar der oben angeführten Leistungen an. Eine Ausbildung gibt es noch nicht. Mut.Macht.Sinn plant, eine zertifizierte Ausbildung für die digitale und soziale Nachlass-Verwalterin ins Leben zu rufen. Im Eulen-Nest und im Großmüttersalon soll das Berufsbild noch weiter mit Leben erfüllt werden. Wir freuen uns auf eine rege Beteiligung!

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